Ein Vorbild für Mark Zuckerberg

Es gibt noch seltene, einmalige Aktionen: eine “ganz gewöhnliche Frau”, Margaretha Lupac, Angestellte in einem österreichischen Wirtschaftsverlag und überzeugte Demokratin, erbte Geld und Häuser. Sie wollte weder in eine Villa umziehen, noch teure Reisen machen, sondern vermachte (1999, sie war Jahrgang 1910) ihr Vermögen in Höhe von 1,5 Millionen € dem österreichischen Parlament. Ihre Auflage hieß, Österreich müsse demokratisch bleiben und das Geld solle für die Festigung und Förderung der Demokratie verwendet werden.
Daraus entstand die nach ihr benannte Stiftung, die Preise an Wissenschaftler und in diesem Jahr ausschließlich an Wissenschaftlerinnen vergibt. Ich war eingeladen, anläßlich der Preisverleihung die Festrede in einem Saal des Parlaments zu halten. Schon die Kommunikation zur Vorbereitung war ungewöhnlich angenehm – freundlich und heiter, der Ton stimmte, auch in den Mails. Bei der Veranstaltung sprachen dann (bis auf einen „Quotenmann“, wie er sich titulierte) nur Frauen, allesamt klug und sympathisch (und damit will ich sagen, keine war überheblich und von den Anstrengungen des weiblichen Aufstiegs verkniffen). Ein Streichquartett – nur Frauen – spielte Musik von Gershwin, die Atmosphäre war … tja wie soll ich das nennen? Es war unter klimatischen wie demokratischen Gesichtspunkten gelungen.
Es war eine sehr politische Veranstaltung, und alle Beiträger äußerten Sorge über den Erhalt der Demokratie. Ein Wermutstropfen verbittert die Freude: Es ist eine Stiftung des Parlaments, die Veranstaltung findet in den Räumen des Parlaments statt. Aber soweit ich es erkennen konnte, fehlten (bis auf einen) die Parlamentarier und leider auch die -innen.

Date: 

30.11.2015 - 17:00

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