news of type Lesefrüchte

Oft stolpere ich über bemerkenswerte Texte. auf die ich euch aufmerksam machen oder vorbereiten will

Europa versus Nationalismus

Betrifft: http://www.ullsteinbuchverlage.de/nc/buch/details/wir-sind-europa-978355... "Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Nationalismus. In fast jedem europäischen Land marschieren sie jetzt: Die Populisten. Mit nationalistischen Abschottungsphantasien, Verschwörungstheorien und Scheinlösungen sammeln sie die Stimmen der Verunsicherten und Denkfaulen. Sie wollen vor allem eins: An die Macht. Und dann? Europa abschaffen."

Iris Berben liest Manja

Es ist eines dieser mittelgroßen Wunder. 1984 eröffnete die wagemutige Kleinst- und Alleinverlegerin Lisette Buchholz ihr Programm mit einem Roman, den eine hierzulande „weitgehend“ unbekannte Autorin im englischen Exil verfasst hatte. Das Buch war 1938 bei Querido in Amsterdam erschienen. Für Menschen dieses Jahrhunderts, denen der zweite Weltkrieg so fern ist (über den ersten sind wir alle in diesem Jahr gründlich informiert worden): bei Querido in Amsterdam erschienen Bücher, die in Deutschland nicht erscheinen konnten. Erstens, weil sie antifaschistisch und zweitens, wenn sie von Juden...

Alfred Polgar über Klimawandel

"... Im Mai war lange Zeit April, dann kam gleich August; Jahreszeiten und Monate gehen, wie Knöpfe und Knopflöcher einer falsch zugeknöpfen Weste, nicht recht zusammen und zu Silvester wird gewiß was fehlen oder überzählig sein. einen Lenz gab es heuer nicht, er wurde zwischen Winter und Sommer totgedrückt wie die Mittelparteien in der Politik. Überall siegt der Radikalismus. Nur eine kleine Klang-Modulation unterscheidet ihn von der ridiculs mus, dem bekannten Kind kreißender Berge. Wegen des auftretens der Bisamratte aber sind dieBäder im Donaustrom noch gesperrt. Leider, denn die Hitze...

Habsburgs jüdische Soldaten

Rezension erschienen im Freitag vom 21. August 2014 Unerwartete Emanzipation Studie Wie angesehen Juden in der Armee der Habsburgermonarchie waren, belegt Hofrat Erwin A. Schmidl Es gehörte zum Stolz der Zionisten und gehört noch immer zum stolzen Selbstverständnis von Israelis, dass Juden gute Soldaten sein und kämpfen können. Das Gewicht, das an dieser Hervorhebung hängt, hat mit einem wirkungsmächtigen Bild zu tun, das die Angehörigen dieser Minderheit als feige und schwächlich und Vaterlandsverräter sowieso charakterisiert hat. Der Militärhistoriker Erwin A. Schmidl, der vermutlich beste...

Kaiser von Amerika

Schon vor drei Jahren erschienen und inzwischen als Taschenbuch erhältlich: Martin Pollack: Kaiser von Amerika. Die große Flucht aus Galizien . Er erzählt über Prostitution, Schlepper, all die Gefahren und Enttäuschungen an den Grenzen. Immer gibt es auch Betrüger, die die Allerärmsten ausnehmen, korrupte Beamte und brutale Polizei, viele Mittler und Agenten, die an der Auswanderung verdienen - die großen Schifffahrtsunternehmen eingeschlossen. Auch daran denke ich, wenn ich von heutigen Flüchtlingen lese. Damals sind sie von Europa nach Nord- und Südamerika ausgewandert.

Maja Haderlaps Engel des Vergessens

Mit der üblichen Verspätung (ich lese Bücher selten,wenn sie "frisch" sind, erst recht, wenn sie den Ingeborg-Bachmann-Preis bekommen haben, aber dieses empfehle ich allen, die nicht nur an Geschichten, sondern auch an Sprache interessiert sind. Maja Haderlap erzählt von den Kärntner Slowenen, während des 2. Weltkriegs und auch danach, in einem Frieden, der den Kampf gegen die "Tschuschen" in eben jenem südlichen Bundesland weiterführt, das durch seine rechte Politik bekannt geworden ist. Nicht nur das Thema, sondern das "wie" hat mich fasziniert: wie sie Ängste und Trotz, Zuneigung und Tod,...

Buchempfehlungen: 2 x Russland

Robert Neumann, Die Puppen von Poshansk. Milena-Verlag, Wien 2012, Dieses erstmals 1952 erschienene Buch des aus Österreich nach England geflohenen Satirikers ist eines der ersten, das sich mit den Gulags im eisigen Norder der Sowjetunion auseinandersetzt. Dabei gehört Neumann weder zu den Kommunistenfressern, die beschönigen, noch zu den Linken, die verteidigen oder die Lage gesundreden. Vieles ist absurd, es hat damals auch viel Mut gekostet, so über Stalin und das Vaterland aller Werktätigen zu schreiben, ohne die Kalten Krieger zu bedienen. Also einerseits ein Zeitdokument, andrerseits...

Urheberrecht II

Martin Vogel hat in einem langwierigen Prozess gegen die VG Wort in erster Instanz gewonnen. Es geht in dem Prozess um die Aufteilung der Gelder, die bislang zwischen Verlagen und Autoren nach einem Schlüssel aufgeteilt werden, der - so M. Vogel - die Verleger bevor- und die Autoren benachteiligt. VG WORT prellt seit 10 Jahren Autoren um 50% ihres Geldes Urheberrechtler Martin Vogel gewinnt vor dem Landgericht München I Die Bundesregierung setzt eine Kommission prominenter deutscher Urheberrechtler ein, um ein Gesetz zu entwerfen, das Autoren finanziell besserstellen soll. Der Lobbyverband...

Ausgelesene Bücher

Nicht gut: Günter Müchler, 1813. Napoleon-Metterich und das weltgeschichtliche Duell von Dresden. Fast nur Hauptsätze, kaum Neues, wie ein Drehbuch geschrieben, das aufregen will. Anregend: Lászoló Földenyi, Dostojewski liesst Hegel in Sibirien und bricht in Tränen aus. Eine verdammt kluge Reflexion über die Beschränkung des Glaubens an die Vernunft. Stimmungsvoll: Edith Wharton, Der Prüfstein. Eine Reise durch Schuld, Liebe und Projektionen.

Verantwortung der Intellektuellen

Seit einiger Zeit erscheinen immer wieder Artikel über das mangelnde Engagement der Intellektuellen für Europa. Es gibt auch gute Argumente, warum das so ist (z.B. dass die Gemeinten sich eher für die Welt als für eine Heimatgeschichte des einen Kontinents interessieren). Erwähnen aber will ich, daß kurz vor und nach 1989 etliche Treffen, Begegnungen zwischen Ost- und West-Intellektuellen, Künstlern, Wissenschaftlern aus vielen europäischen Ländern stattgefunden haben, ich habe von vielen solchen Versuchen gehört, auch teilgenommen, prominente Schriftsteller und Wissenschaftler aus Portugal...

Hotel Lux

Nach 33 Jahren wieder nachlesbar: Ruth von Mayenburg, Hotel Lux. Die Menschenfalle, Eine Reise - ein Film von Heinrich Breloer. Elisabeth Sandmann-Verlag, 2011 Das Buch ist 1978 erstmals erschienen und war lange vergriffen. Da gab es noch einen eisernen Vorhang, die strengen Grenzziehungen waren nicht nur geographischer, sondern vor allem ideologischer Natur und der kalte Krieg war noch ziemlich kalt. Der aktuelle Anlass für die Neuauflage ist ein Film über Herbert Wehner, der im Lux gewohnt hat, als er noch Kommunist war. Ein Vorspann und Nachwort stellen den Bezug zu dem Script her...

Walter Boehlich ist endlich nachlesbar

Die Biographie eines Autors ist sein Werk, nicht die menschelnde Aufdeckung unzensierter Gefühle. Daran haben sich die Herausgeber des Bandes "Walter Boehlich. Die Antwort ist das Unglück der Frage" gehalten. Der Band stellt den Literaturkritiker, Lektor, Übersetzer und Polemiker in dreizehn Kapiteln vor, die nicht chronologisch, sondern thematisch geordnet sind, und auf diese Weise die Geschichte der Bundesrepublik mit der ihres Kommentators verzahnen. 1921 geboren und 2006 gestorben hat Boehlich die deutsche und die europäische Literatur, Germanistik und Verlagswesen, vor allem aber die...

Heimatgeschichte, österreichisch

Soeben eingetroffen ist das Wespennest-Heft über österreichische Heimatkunde unter dem Titel "Austria as it is" (eine Schrift aus der Metternich-Zeit, die ich in meinem derzeit in Produktion befindlichen Buch erwähne). Soweit ich sehe, ist mein Beitrag (Drei Heimaten pochen, ach, in meinem Busen) in dem Heft der Einzige, der einigermassen gnädig mit der "Heimat" - genauer gesagt, der österreichischen Nachkriegsgeschichte umgeht. Näheres in der Pressemitteilung: zeitschrift JETZT NEU: Wespennest Nr. 161, Thema: „Austria as it is“ „Nationalität ist eine Narration, eine story, die sich Menschen...

Eitelkeit

Es gibt immer wieder Gelegenheiten, bei denen ich mich frage, ob das Thema Eitelkeit schon ausreichend erforscht ist. Heute fand ich ein schönes Zitat, das mich viel mehr befriedigt, als soziologisch-anthropologische Arbeiten es tun könnten: "Da nun für schöne Männer, deren Spezialität drin besteht, daß sie schöne Männer sind, die Schmeichelei ein großes Bedürfnis ist und es ihnen dabei gleichgültig ist, ob der Weihrauch aus einem rosichten oder welken Munde kommt, wenn er nur stark und reichlich hervorquillt, so begreift man, wie mein teurer Vater, ohne eben darauf spekuliert zu haben,...

MENURA von Ambrose G. H. Pratt

Ein zauberhaftes Buch über einen Vogel, aber doch viel mehr. Es geht um Gesang und das Liebesleben, Treue und Tanz, wie der Vogel seine Henne unterhält, während sie auf dem Ei sitzt, wie schön er ist und seine Stimme übt. Mit einer CD, auf der man ihm zuhören kann. Ich gebe gerne zu, dass ich ein Faible für Bücher habe, in denen sich Wissenschaft und Literatur begegnen: Abrose G.H. ratt, Menura, Prächtiger Vogel Leierschwanz, Friedenauer Presse Berlin.

Walter Boehlich

Es gibt keine Vorbilder mehr? Aber hier ist einer, zumindest für Menschen, die schreiben und denken und klar ssehen wollen. Walter Boehlich, Jahrgang 1922 und vor einigen Jahren verstorben, Autor, Übersetzer, Lektor und vor allem Anreger und maßstabsetzendes Vorbild. jetzt sind einige seiner zuvor schwer auffindbaren Gedanken auffindbar: Walter Boehlich. Die Antwort ist das Unglück der Frage. Ausgewählte Schriften, S. Fischer-Verlag Frankfurt/M. 2011, € 26,-

gelesen: Metternich - Staatsmann zwischen Restauration und Moderne

Von Wolfram Siemann ist seit längerem eine "große" neue Metternich-Biographie angekündigt (Beck-Verlag); der Erscheinungstermin wurde um zwei Jahre verschoben, als Vorkost ist ein kleines Büchlein erschienen: Metternich - Staatsmann zwischen Restauration und Moderne. Meine Kurzrezension dazu erscheint im Deutschlandradio Kultur.

Fanny Hensel

Gestern bin ich mit dem Buch von Peter Härtling über Fanny Hensel, geborene Mendelssohn fertig geworden. Leider ziemlich oberflächlich und mit einigen Fehlern, ich will ja nicht beckmessern, aber wenn er die Kreise beschreibt, die zu Besuch kamen, absichtlich keine Jahreszahlen nennt und dann z.B. “die Varnhagens” und Prinz Louis Ferdinand gleichzeitig anwesend sein läßt, muß ich doch meckern. Außerdem tendenziell selbstgefällig im Ton und wenig Kontext. Schade.